Zeitungsartikel

Fahrdienst boomt

Immer mehr Menschen im ländlichen Raum sind auf Hilfe angewiesen. Das ist traurig, schafft aber auch neue Jobs.

Von Heike Heisig

Rico Jacob, ausgebildeter Rettungssanitäter, hat sich 2013 mit einem Fahrdienst „Seniora“ selbstständig gemacht. Die Firma wächst. Immer mehr Menschen benötigen seine Hilfe.
Rico Jacob, ausgebildeter Rettungssanitäter, hat sich 2013 mit einem Fahrdienst „Seniora“ selbstständig gemacht. Die Firma wächst. Immer mehr Menschen benötigen seine Hilfe.

© Dietmar Thomas

Roßwein. Rico Jacob ist 27 Jahre jung und umgibt sich die meiste Zeit des Tages mit älteren Menschen. Die sind auf seine Unterstützung und die seiner Mitarbeiter angewiesen. Inzwischen ist Rico Jacob Chef von zwölf Leuten. Zwei weitere sollen hinzukommen. Auch der Kauf eines weiteren Fahrzeuges ist geplant. Dann wächst der Fuhrpark auf sieben, womit am neuen Seniora-Standort in der ehemaligen Wäscherei an der Stadtbadstraße die Garagenkapazität erschöpft ist. Dorthin ist der Dienstleister im Jahr 2015 umgezogen.

Angefangen hat Jacob 2013 mit zwei Mitarbeitern. Gestartet sind sie noch vom elterlichen Eigenheim in Marbach aus. Weil seine Firma nach Roßwein gezogen ist, will auch die Familie selbst in der Muldenstadt sesshaft werden. Nachdem Nachwuchs da ist, läuft der Hausbau auf Hochtouren.

Das Geschäft so stabilisieren und ausbauen konnte Rico Jacob nur, weil der Bedarf da ist. „Wir haben einen großen Kundenstamm. Zuletzt ist zu unserem Einzugsgebiet noch den Raum Nossen dazugekommen“, sagt der junge Unternehmer. Viel weiter will er gar nicht gehen. Denn dann werden die Anfahrts- und Fahrzeiten überhaupt zu lang. Jacob und seine Mitarbeiter begleiten Patienten aus Roßwein, Hartha, Waldheim, Döbeln/Großweitzschen, Kriebstein und Mittweida zu Haus- und Fachärzten sowie Therapien wie Bestrahlungen. „In der Hauptsache sind das ältere Kunden. Aber auch ein paar jüngere gehören jetzt schon dazu“, berichtet Rico Jacob.

Der medizinische Aspekt hat bei ihm Priorität. Doch wenn die Fahrer Zeit haben, dann erfüllen sich auch andere Wünsche, bringen die Kunden mal ins nächste Einkaufscenter, in eine der umliegenden Innenstädte – oder brechen mit ihnen zu einer Tour durch Jacobs Heimatort Marbach auf. „Wir haben eine ältere Dame, die wir einmal in der Woche durch den Ort fahren. In Marbach gibt es noch einen Fleischer, einen Bäcker und die Sparkasse. Alles fahren wir nacheinander ab“, erzählt der 27-Jährige.

Nach seinen Erfahrungen fehlt gerade den älteren Menschen in den ländlichen Regionen eine Einkaufsmöglichkeit, also ein kleinerer Supermarkt oder Tante-Emma-Laden. Darüber hinaus vermisse mancher Dienstleistungsangebote wie einen Friseur oder die Kosmetikerin. Auch von den Zeiten, als jeder Ort noch einen Gasthof hatte und man sich dort abends traf oder zum Familienessen am Wochenende einfand, hört Rico Jacob manchen seiner Fahrgäste noch erzählen. Er wünscht sich, dass er mit seinen Dienstleitungen den Bewohnern der ländlichen Regionen ein Stück Lebensqualität erhalten kann. Denn Mobilität gehört für ihn auf jeden Fall dazu.

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